Beuys Brock Vostell im ZKM

Im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe werden derzeit und noch biz zum 9. November erstmals die drei bedeutenden deutschen Aktionskünstler der Nachkriegsmoderne Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell gemeinsam in einer groß angelegten Schau präsentiert. Die befreundeten Künstler, die bei wichtigen Aktionen und Ausstellungen in den 1960er-Jahren gemeinsam aufgetreten sind, bildeten aus der Erfahrung des Krieges ihre eigenen stilbildenden Positionen und verfolgten dabei die radikale Emanzipation des Individuums und die Reform bzw. Revolution des Lebens. Durch die gemeinsame Präsentation der drei verschiedenen Positionen der Performativität wird eine neue Perspektive auf die heute in allen Museen der Welt hofierten performativen Künste erarbeitet.

In der Ausstellung wird außerdem der Ankauf von Wolf Vostells Werk Transmigración II (1958) vorgestellt, der dem ZKM Dank der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder ermöglicht wurde. Transmigración II ist eines der ersten Kunstwerke, in dem ein Fernseher als integraler Bestandteil eines Werkes verwendet worden ist und somit für zahlreiche nachfolgende Künstlergenerationen Vorbild im künstlerischen Umgang mit dem Massenmedium wurde.

Bisher hat die Kunstgeschichte die Werke von Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell nur jeweils singulär behandelt, ohne den jeweiligen nationalen und internationalen Kontext. Damit sind nicht nur individuell wichtige Aspekte und Leistungen der einzelnen Künstlerpersönlichkeiten vernachlässigt worden. Durch den Mangel einer kontextuellen Zusammenschau ist auch die Bedeutung dieser drei Künstler für die performative Wende verloren gegangen. Die Künstler waren befreundet und sind Mitte der 1960er-Jahre bei wichtigen Veranstaltungen wie dem Festival der Neuen Kunst am 20. Juli 1964 in Aachen, der Life Sendung des Zweiten Deutschen Fernsehens für die Sendereihe Die Drehscheibe (1964) und dem sogenannten 24 Stunden Happening in der Galerie Parnass in Wuppertal (1965) gemeinsam aufgetreten. Indem ihre Zusammenarbeit nun erstmals recherchiert und umfassend ausgestellt wird, eröffnen sich neue Perspektiven auf das künstlerische Schaffen der drei Künstler und die Kunst der Nachkriegszeit.

Mit der Ausstellung Beuys Brock Vostell vertieft das ZKM seine thematischen Schwerpunkte Performativität und Partizipation. Nach der Präsentation der Arbeiten der Pionierinnen der Performance- Kunst in der Ausstellung Moments (2012) und der Auseinandersetzung mit dem erweiterten Werkbegriff in der Ausstellung Franz Erhard Walther. Raum durch Handlung (2012) werden 2014 erstmals drei bedeutende deutsche Aktionskünstler der Nachkriegsmoderne, Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell, gemeinsam in einer groß angelegten Schau präsentiert. Diese Künstler haben bereits in den 1950er-Jahren die neue Tendenz, die Kunst aus den Ateliers in den öffentlichen Raum zu führen, erkannt und in künstlerische Praktiken umgesetzt.

 

Info: www.zkm.de