„Die Zukunft fotografieren“ gastiert im MKG

Fünf deutsche und fünf russische Fotografinnen und Fotografen, eingeladen vom Goethe Institut Moskau, unternehmen das Experiment, fotografisch in die Zukunft zu schauen. Die Künstler konstruieren Bilder am Computer oder fotografieren gebaute Modelle, um utopische und dystopische Orte und Landschaften zu schaffen. Oder sie fotografieren die Gegenwart, die auf die Zukunft verweist. Das Projekt und die Ausstellung verfolgen dieses utopische Potential der zeitgenössischen Fotografie. Zu sehen sind eigens für das Projekt entwickelte Arbeiten von Olga Chernysheva, Vladislav Efimov, Sofia Gavrilova, Beate Gütschow, Yakov Kazhdan, Anton Kuryshev, Eva Leitolf, Sascha Pohflepp und Chris Woebken, Ricarda Roggan und Jens Sundheim. Die Ausstellung umfasst ein breites Spektrum von Sujets und zeigt zugleich die Bandbreite zeitgenössischer fotografischer Arbeitsweisen. Die Werke reichen von analogen bis zu digital simulierten Positionen, von dokumentarischen bis zu performativen und konstruierenden Herangehensweisen. Dennoch verbinden die Arbeiten wiederkehrende Themen: Sowohl die jungen, als auch die etablierten Fotografen schauen auf die nächsten Generationen, auf den Menschen als Mitglied der Gesellschaft und stellen Fragen an die Zukunft. Sie beschäftigen sich mit Architektur und ihrer Bedeutung als Gesellschaftsmodell sowie Technologie und den damit verbundenen Zukunftsversprechen.

 

Anton Kuryshev beobachtet wartende Jugendliche in einer Übergangszone zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum. Ihre Zukunft erscheint ebenso ungewiss wie die der Heranwachsenden, deren Schlafräume Eva Leitolf in einer Auffangeinrichtung für jugendliche Asylanten fotografiert. Eine Reihe von Arbeiten thematisiert die Befindlichkeiten von Menschen als Teil der Gesellschaft. Yakov Kazhdan inszeniert in seiner Arbeit die Vorstellung eines Lebens unter der Erde, wie sie in Science Fiction-Szenarien nahe gelegt wird. Er bezieht sich auf ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis: Die sogenannten „Einsiedler von Pensa“, eine religiöse Gruppe, harrte in Erwartung eines nahenden Weltuntergangs von Herbst 2007 bis Mai 2008 in einer Erdhöhle bei Pensa in Russland aus. Olga Chernysheva fotografiert die Angestellten einer russischen Bank. Die Tristesse ihres Alltags setzt sie den Werbebildern entgegen, mit denen die Bank für Anlagen wirbt und den Kunden eine bessere Zukunft verspricht. Beate Gütschow schließlich verwebt in ihren, im Studio inszenierten Stillleben einen Kommentar auf die restriktive Politik des russischen Präsidenten Vladimir Putin gegenüber Homosexuellen.

 

Die Ausstellung ist im Auftrag des Goethe-Instituts Moskau im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland 2012/2013 entstanden. Sie wurde in Moskau, St. Petersburg, Nischni Nowgorod, Nowosibirsk und Khabarowsk gezeigt. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg ist die einzige deutsche Station.

 

Info: www.mkg-hamburg.de