Online-Projekt: „1933. Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums“

Das Jüdische Museum Berlin startet am 30. Januar das Online-Projekt „1933. Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums“. Am 30. Januar 1933 schrieb Rosa Süss aus Mannheim an ihre frisch vermählte Tochter Liselotte und deren Mann: „Heute ist also Hitler Reichskanzler, eine nette Gesellschaft, na die werden auch mit Wasser kochen, bleibt abzuwarten was nun kommt!“ Dieser Brief markiert den Beginn des Online-Projektes „1933. Der Anfang vom Ende des deutschen Judentums“. Unter der Internetadresse www.jmberlin.de/1933 ist er ab dem 30. Januar in Auszügen zu lesen. Zum Brief erhalten User auch Einblick in das von Sorge und Hoffnung geprägte Leben und Schicksal der Familie Süss. Das Jüdische Museum Berlin startet damit in das Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“.

Jede Woche werden bis Ende Dezember ausgewählte historische Zeugnisse aus dem Jahr 1933 auf dieser Internetadresse veröffentlicht. Die über 110 Dokumente und Fotografien beziehen sich auf den jeweiligen Tag vor 80 Jahren. Sukzessive entsteht ein Bild des Alltags aus der Perspektive deutscher Juden im Jahr 1933.

»Im Laufe des Jahres 1933 griffen mehr als 300 Erlasse, Verordnungen und Gesetze in das Leben aller deutschen Juden ein. Die ausgewählten Dokumente sind unmittelbare Zeugnisse der Diskriminierungs- und Verfolgungspolitik dieser Zeit. Sie werfen Schlaglichter auf ausgesuchte Biografien und machen deutlich, in welcher Vielfalt jüdisches Leben in Deutschland vor 1933 präsent war«, so Aubrey Pomerance, Leiter des Archivs des Jüdischen Museums Berlin und des Leo Baeck Institutes.

Das Projekt präsentiert ganz verschiedenartige Quellen: offizielle und private Briefe, Postkarten, Urkunden, Ausweise, Anträge, Protokolle, Tagebucheinträge, Notizen und Fotografien. Fast alle stammen aus den privaten Schenkungen und Nachlässen des Museumsarchivs und des Leo Baeck Institutes. Mit Hilfe von Transkriptionen und multimedialen Funktionen lassen sie sich individuell erschließen.

Die Online-Präsentation setzt die Quellen in ihren biografischen und historischen Kontext und beleuchtet Einzel- und Familienschicksale. Erst so werden etwa die Existenz gefährdenden Folgen eines nüchternen Behördenschreibens deutlich, lassen sich die Solidaritätsbekundungen für einen jüdischen Sportvereinsvorsitzenden interpretieren oder das Foto vom ersten Schultag eines Jungen würdigen, der wenige Jahre später Deutschland verlassen musste.

Info: www.jmberlin.de